Händlerin der Worte

Claude Theil

Theaterstück für eine Schauspielerin und viele Worte

Es ist Markt. Das Bühnenbild ist ein Marktstand, der mit vielen bunten Buchstaben und Wörtern beladen ist. Die Markthändlerin tritt auf. Sie ist euphorisch und gut gelaunt. Sie liebt die Worte und will sie an die Kinder verkaufen. Dabei kommt sie von Einem zum Anderen. So erfahren die Kinder auf unterhaltsame Art und Weise vieles über Wörter und Begriffe und ihren spielerischen Umgang.

Das Stück umfasst sieben Szenen und sieben Songs. Jede Szene hat ein Haupthema, etwa "höfliche Worte", "Fremdwörter", "Schimpfworte" oder "Worte, die trösten".

Während des Stückes bemerkt die Markthändlerin, dass ihr in ihrer Abwesenheit Worte gestohlen sein müssen - "alle Worte, die zum guten Zusammenleben unter uns Menschen wichtig sind." Sie ist verzweifelt und traurig denn sie hat keine anderen Begriffe mehr aus diesem Bereich. Was nun tun? Immer wieder versucht sie, einige der Worte zu beschreiben, die zum „guten Zusammenleben“ unter uns Menschen sehr wichtig sind. „Diebstahl“ etwa ist ihrer Meinung nach genau das Gegenteil eines dieser Worte, die man ihr gestohlen hat. Am Ende ihres Markttages kommt sie auf eine wunderbare Idee: Sie bittet die Kinder ihr doch zu helfen, die Worte wieder zu finden und überreicht ihnen einen großen Briefumschlag mit der herzlichen Bitte, die gefundenen Worte an Sie zurückzusenden.

Regie: Thomas Lange
Premiere: 15.1.2007

Kritik

Ungewöhnliche Händlerin zieht Grundschüler in ihren Bann

 

Redakteurin
Sabine Wesner

Kemberg/MZ, 20.4.2007

 

Ein leicht eingestaubter Marktstand in der Turnhalle? Die Kinder der Kemberger Grundschule staunten gestern Morgen nicht schlecht über den ungewöhnlichen Besuch, der noch Ungewöhnlicheres feilbot. Die Leipziger Schauspielerin Ulrike Haase hatte als Händlerin der Worte nichts, was man woanders zu kaufen bekommt. Worte für jeden Geschmack, jeden Geldbeutel und jede Situation, pries die junge Frau an und entführte die Kinder der ersten bis vierten Klasse in eine zauberhafte Welt, in der sie Wörter auf sinnliche Weise erfahrbar machte. Aus Kisten und Truhen wurden schöne Worte, höfliche Worte aber auch Schimpfwörter hervorgeholt und mit dem

Staubwedel wieder auf Hochglanz gebracht. Ja auch Flüche braucht man, zum Beispiel wenn einem die Badehose beim Sprung vom Zehn-Meter-Turm platzt oder man ohne Schlüssel vor der verschlossenen Tür steht. Aber sie sollten kreativ und phantasievoll sein“, erklärte die Händlerin der Worte, dass sie die meisten Flüche an Handwerker-Väter verkauft. Höfliche Worte, die allen im Umgang mit anderen helfen, aber auch kostbare, zerbrechliche Worte wie Freundschaft, mit denen jeder sorgsam umgehen muss, wurden feilgeboten. Und nicht nur die Kinder der vierten Klassen, die sich schon vor den Osterferien auf das mit dem Duden-Schulpreis ausgezeichnete Theaterstück vorbereitet hatten, konnten die Lieder mitsingen. Wir haben die Texte, die es als Unterrichtsmaterial zu dem Stück gibt, im Diktat geschrieben, die Lieder der CD gesungen und in Stegreif- und Rollenspielen die Worte

der Höflichkeit und der Flüche zusammengetragen, erzählte Lehrerin Ursula Beitat von den Vorbereitungen der großen Schüler. Für alle anderen war die Aufführung eine Überraschung. Und man hat richtig gespürt, wie die Kinder mitgegangen sind, war Schulleiterin Kerstin Mensch fast erstaunt. Und

auch der talentierten Schauspielerin, die es ausgezeichnet verstand, die Kinder in den Bann der Worte zu ziehen, war die Freude über so

ein aktives Publikum anzusehen. Selbst Karl-Heinz Staritz war begeistert. Die Vorstellung war wirklich schön. Aber jetzt muss ich wohl erst mal den Staub beseitigen, schmunzelte der Hallenwart angesichts der Begeisterung der gar nicht wortkargen Kinder.

Infos über Die Händlerin der Worte sowie Kontakt über Tel. 0511/2357877 oder im Internet unter www.die-haendlerin-der-worte.de