Windjammer und Rosenrot

Wolfgang Krause Zwieback

Theater für eine Frau, einen Mann und eine Segelyacht

Uraufführung

Der Ort ist ein niedriges, rotes Mansardenzimmer in einem alten Hotel am Hafen. Dort wartet ein Mann im zeitgemäßen Sportdress aller Farben auf den Start zur Segelregatta. Es geht um die halbe Welt. Die Zeit steht. Licht durch das einzige Fenster. Geräuschkulisse von Hafen und Markt. Baratmosphäre gedämpft durch die Zimmertür. Weltempfänger mit Kurzwellensendern ferner Welten ganz nah. Irgendwann geht die Tür auf. Die Geliebte kommt - von langer Reise. Man sieht sich zwei, drei Mal im Jahr. Sie ist kreidebleich mit großem rotem Mund hinterm Schleier. In ihr lodert ein Großfeuer. Er ist dagegen neben sich. Verwirrt beim Zusammentreffen. Nach so langer Zeit sind sie sich fremd...

Stückentwicklung mit Ulrike Haase und Andree-Östen Solvik.

Regie/Buch: Wolfgang Krause Zwieback
Bühne & Kostüme: Wolfgang Krause Zwieback
Mitwirkende: Ulrike Haase - Andree-Östen Solvik
Spielort: Studio – Freie Kammerspiele Magdeburg

Kritik

Windjammer und Rosenrot
K. Zwiebacks verhinderter Segeltörn

Vier Premieren an zwei Abenden, zwei Lesungen dazu und nächtliche Partys bis zum Abwinken - fertig ist das Theaterfest.

Es ist schon das dritte, zu dem die Freien Kammerspiele Magdeburg in die Landeshauptstadt einladen. Das Stücke-Spektrum ist weit gefächert, reicht von Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ über Strindbergs „Fräulein Julie“ bis zu neuer Dramatik aus Irland und einer veritablen Uraufführung. Dabei bleibt dem Publikum die Qual der Wahl nicht erspart. Das Angebot ist für dieses Fest schlichtso reichhaltig, so dass nicht alle an zwei Abenden alles sehen können.
Doch Unmut kommt darüber nicht auf. Und auch weniger Gelungenes lässt sich besser verkraften, wenn danach Gelungenes zu sehen ist.

Die Enttäuschung, etwa Conor McPhersons „Der gute Dieb“ besucht zu haben, wird zum Beispiel mit der Uraufführung von Wolfgang Krause Zwiebacks „Windjammer und Rosenrot“ mehr als Wettgemacht. Der Leipziger Künstler ist diesmal unter die Segler gegangen, erarbeitete ein wundervolles Stück und verzichtete darauf, selbst als Mime mitzuwirken. Stattdessen agieren zwei junge Akteure, denen die Umsetzung ebenso zauberhaft gelang wie dem Autor die Vorlage, die Regie und die Ausstattung.

In einem mit rotem Samt ausgeschlagenen Hotelzimmer sitzt Sulf Indigo. Der passionierte Segler wartet nur darauf, mit seiner Yacht in See zu stechen. Was fehlt, ist Wind. Der Mann ist verzeifelt-und Andree Östen Solvik spielt das in seinem bunten Sportdress einfach herzzerreißend. Er ist stets wie auf dem Sprung und allmählich am Explodieren, eben weil der Wind einfach unablässig still steht.

Es tritt aber nur ein, worauf er nicht wartet: Anna Konda Porta, seine Geliebte. Die ist so schrill am Plappern, begreift das ganze Segelgedöns nicht und will nur ihren Sulf- doch der macht sich zu. Ulrike Haase gelingt eine quirlig aufgedrehte Partnerin, schwätzt wie ein Wasserfall von einem Wasserfall und mit einem Wasserfall, aber vom Segeln keine Spur. Früher als wir noch nicht gesegelt sind, da ging es auch ohne Wind, meint Sulf der Segler. Wenn zum Schluss dann doch alles gut wird, weht eine ansteckende Freude durch den ganzen Saal.Dem Paar Solvik/ Haase gelingt es, das Publikum mit pointiert spannungsvollem Spiel zu faszinieren.

Dramaturgisch stimmt hier einfach alles, und die Wortklaubereien des Sprachakrobaten Krause Z. tun ein Übriges, um nach eindreiviertel Stunden frenetischen Beifall zu kassieren. Ähnlich erfolgreich waren auch Enrico Lübbes Inszenierung von „Fräulein Julie“ und Gerald Gluths „Sommernachtstraum“ .

Leider aber patzte „Der gute Dieb“ des jungen irischen Autors Conor McPherson in der Regie von Peter Lüder- ein Endlosmonolog aus dem Milieu. Frank Auerbach rang aufrichtig mit dem Material seiner Diebeserzählung. Bilder aber haben sich erst im Kopf eingestellt. Dann besser eine Sücke-Lesung wie von Andre´ Kubiczek mit „Junge Talente“ sowie John von Düffel mit „Ego“ praktiziert.Einhellig begeistern waren die Theaterpartys im Nachtcafe´, sie erfüllten die Kammerspiele mit Leben bis in den Morgen.

Leipziger Volkszeitung, 24.04.2002